Eine Delegation des National Institut of the Deaf (NID) aus dem südafrikanischen Worcester hat im April ausgewählte Einrichtungen für Hörgeschädigte in Europa besucht. Zu den Zielen der Delegation gehörte auch die Abteilung für Hörgeschädigte im Klinikum am Europakanal Erlangen. Die Gehörlosenstation in Erlangen ist eine von zwei Einrichtungen in Deutschland, die auf die Versorgung psychisch kranker Hörgeschädigter spezialisiert ist.
Die Patientinnen und Patienten kommen aus dem gesamten süddeutschen Raum sowie dem deutschsprachigen Ausland.
Die Arbeit mit hörgeschädigten Menschen ist nicht nur in Europa eine Herausforderung. Obwohl die Gehörlosenbildung in Afrika durch die christlichen Missionare auf eine zum Teil schon über 100-jährige Tradition zurückblicken kann, gibt es in ganz Afrika für Hörgeschädigte bis heute keine beruflichen Ausbildungsmöglichkeiten. So gleiten nach der Schule viele Gehörlose in die Prostitution ab oder fungieren als Drogenkuriere. Die Förderung und Beschäftigung mehrfachbehinderter hörgeschädigter Menschen steckt in Afrika noch in den Kinderschuhen. Eine spezialisierte psychiatrische Versorgung für Hörgeschädigte gibt es nicht.
Das NID unterrichtet als Internatsschule heute ca. 160 hörgeschädigte Kinder und Jugendliche aus allen Provinzen Südafrikas und ist in vielen weiteren Bereichen der Aufbauarbeit aktiv. Um sich Impulse für Ihre Arbeit zu holen, informierten sich die Delegationsteilnehmer, Deon de Villiers, geschäftsführender Direktor, Minnie de Villiers, Leiterin des Berufsbildungscollege und Kobus van den Berg, Leiter der Einrichtung für mehrfachbehinderte Hörgeschädigte bei der ärztlichen Leiterin des Bereichs Dr. Inge Richter über den Standard, die Fachlichkeit und die Zielsetzungen in der Arbeit mit hörgeschädigten Menschen in der Klinik am Europakanal. Die Delegierten zeigten sich von den vielfältigen Möglichkeiten der spezialisierten Abteilung und dem gesamten Klinikum sehr beeindruckt. Um die Arbeit der NID fachlich weiterhin unterstützen zu können, wird der Austausch bestehen bleiben.
