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Klinikum am Europakanal etabliert neue Behandlungsangebote bei der Behandlung von Borderline-Patienten
09.07.2010

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist eine schwerwiegende psychische Störung. Schätzungen zufolge sind etwa ein bis zwei Prozent der Deutschen betroffen - sie zeigen typische  "Borderliner-Symptome“, neigen beispielsweise zu starken Stimmungsschwankungen, verwunden sich mit Schnittverletzungen selbst oder kämpfen gegen Suizidgedanken. Nicht wenige Personen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung leiden zusätzlich an einer Abhängigkeitserkrankung oder weiteren psychischen Erkrankungen.

Im Klinikum am Europakanal Erlangen werden seit Anfang des Jahres auch Patientinnen und Patienten behandelt, die an einer Borderline-Persönlichkeitsstörung in Kombination mit zusätzlichen eigenständigen Krankheitsbildern wie beispielsweise Sucht oder Depression leiden.
Speziell für Menschen mit Borderline und einer Suchterkrankung gibt es außer in Erlangen in ganz Deutschland nur ein weiteres vollstationäres Therapieangebot an der Charité in Berlin.

Bei der Behandlung von Patienten mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung mit oder ohne zusätzliche weitere psychische Erkrankungen wird in Erlangen die so genannte Dialektisch Behaviorale Therapie (DBT) eingesetzt. Die Wirksamkeit des DBT-Programms konnte bereits in mehreren großen Studien nachgewiesen werden, der Einsatz von DBT hat sich daher, wie in zahlreichen psychiatrischen Fachkliniken, auch im Klinikum am Europakanal etabliert. Bislang wurde dabei weitestgehend die Meinung vertreten, dass innerhalb des DBT-Konzeptes nur die Behandlung der emotional-instabilen Persönlichkeit ohne gleichzeitige Mitbehandlung des zusätzlichen psychiatrischen Krankheitsbildes möglich ist. Durch die Anwendung eines angepassten und erweiterten DBT-Programms ist in Erlangen jedoch auch die kombinierte Behandlung möglich.

Die Psychosomatische Abteilung unter der Leitung von Oberarzt Dr. Albert Summ bietet auf der Station B3S 8 DBT-Plätze für Menschen mit einer Borderline-Störung an, die aufgrund der Schwere ihrer Erkrankung eine mehrwöchige stationäre Behandlung benötigen. „Je nach Bedarf sollen weitere Therapiebausteine für beispielsweise Borderline und Angststörung oder Borderline und Depression installiert werden“, beschreibt Dr. Albert Summ.

Die Abteilung für Suchtmedizin hält auf der Station G2 8 Therapieplätze für Menschen mit einer Borderline-Störung und einer Suchterkrankung vor. Das Therapieprogramm beinhaltet DBT- und Suchttherapiebausteine.

„Für die speziellen Anforderungen, die das stationäre Therapiekonzept erfordert, wurden zahlreiche vertiefende Personalschulungen zweier gesamter Stationsteams durchgeführt und eine zusätzliche Psychologin eingestellt“, erklärt Dr. Christine Schlick, Oberärztin und Leiterin des Bereichs Sucht-medizin an der Klinik für Psychiatrie, Sucht, Psychotherapie und Psychosomatik.
 „Insbesondere wenn bei einem Patienten oder einer Patientin unterschiedlich diagnostizierbare Krankheitsbilder nebeneinander auftreten, müssen in der modernen Psychiatrie die Krankheiten in einen Zusammenhang gesetzt werden. Nur so können mit den Patienten und Patientinnen optimale Therapieergebnisse erzielt werden“, so die Oberärztin abschließend.